lebh gist logo header lebh gist headerbild



Die adjuvante Imatinib-Therapie bei GIST – neuester Stand

 

Seit 2002 ist Imatinib (Glivec®) die zugelassene Standard Erstlinien-Therapie bei fortgeschrittenem, metastasiertem und/oder inoperablem GIST. Doch in den letzten Jahren erhielten immer mehr Patienten – nach erfolgreicher Operation und Tumorfreiheit – den Wirkstoff Imatinib vorsorglich. Zunächst im Rahmen von klinischen Studien in USA und Europa – dann in der sogenannten RELAXStudie und nach der EMEA-Zulassung am 6. Mai 2009 auch per Rezept als zugelassene Therapie-Option. Die adjuvante Imatinib-Therapie war bereits im Dezember 2008 in den USA und im Februar 2009 in der Schweiz zugelassen worden. GIST-Patienten mit mittlerem oder hohem Rückfallrisiko, deren Tumor vollständig operativ entfernt wurde, stand dadurch erstmals eine wirksame nachoperative medikamentöse Therapie zur Verfügung, um das Rezidivrisiko zu reduzieren. Die jüngsten Daten, präsentiert beim ASCO-Kongress 2011 im Juni in Chicago, setzen nun den neuen Standard bei der Behandlungsdauer: 36 Monate statt 12 Monate Behandlungsdauer bei Patienten mit hohem Rückfall-Risiko.

Im Behandlungskonzept der GIST kommt der chirurgischen Therapie – Operation oder Resektion genannt – nach wie vor eine zentrale Rolle zu. Die so genannte „R0 Resektion“ (R-Null) ist bislang nach allen Erkenntnissen noch immer das beste prognostische Kriterium. Operable Tumoren sollten daher immer chirurgisch entfernt werden, wenn eine komplette Entfernung auf Grund der Befunde möglich ist. Eine alleinige Operation kann GIST jedoch oft nicht heilen. Mindestens 50% aller Patienten haben erfahrungsgemäß auch nach einer kompletten Resektion ein Rezidiv (= Rückfall) oder bekommen Metastasen (Fernabsiedlungen).


Was bedeutet Rezidiv bzw. Rückfall?

Ein Rezidiv (von lat. recidere = „zurückfallen“) ist das Wiederauftreten („Rückfall“) einer Krankheit nach einer Behandlung z.B. Operation, die zeitweilig erfolgreich war. Ursache sind meist eine unvollständige Entfernung des Tumors oder nicht nachweisbare Tumorabsiedlungen (Mikrometastasen), die nach einiger Zeit zu einem erneuten Auftreten der Krankheit führen können. Bei GIST besteht leider bei einem Teil der Patienten ein sehr hohes Risiko des Wiederauftretens der Tumoren – selbst bei Patienten, bei denen der Tumor komplett entfernt wurde und mikroskopisch tumorfreie Ränder zu sehen sind – also einer sogenannten R0 Resektion. Und das auch, wenn durch bildgebende Verfahren in anderen Organen keine GIST-verdächtigen Bereiche aufgefallen sind.

Wie bereits erwähnt: Etwa 50% der Patienten erleben erfahrungsgemäß einen solchen Rückfall bei GIST. Und nach allen bisherigen Erfahrungen kommen solche Rückfälle dann nicht nur an der ursprünglichen Stelle (= Lokal-Rezidiv) zurück, sondern in metastasierter Form, also mit Läsionen an mehreren Stellen. Wesentliches Ziel einer adjuvanten Imatinib-Therapie ist es also, das Rückfallrisiko nach Operation zu verringern. Rezidive treten in etwa 40% der Fälle in den ersten zwei Jahren auf. Daher ist generell eine engmaschige Langzeitüberwachung der Patienten bei GIST unerlässlich – selbst nach erfolgreichem Entfernen des Tumors. KEINESFALLS dürfen GIST-Patienten nach erfolgreicher Operation als „geheilt“ entlassen werden – sondern gehören in die Obhut GIST-erfahrener Onkologen. Diese klären dann im weiteren Verlauf ab, ob der Patient gegebenenfalls eine adjuvante (vorsorgliche) Imatinib-Therapie erhalten sollte oder nur eine engmaschige Überwachung.

Was heißt „adjuvante“ Imatinib-Therapie?

Als „adjuvante Therapie“ bezeichnet man in der Medizin generell ergänzende oder unterstützende Therapiemaßnahmen mittels Adjuvans. Der Begriff „Adjuvans/adjuvant“ kommt aus dem Lateinischen = adjuvare und bedeutet „helfen“. In der Onkologie bezeichnet der Begriff bei Krebserkrankungen eine Therapie, die nach vollständiger operativer Entfernung aller erkennbaren Tumoranteile angewandt wird, um mögliche, bisher aber noch nicht nachweisbare Tumorabsiedlungen (Mikrometastasen) zu bekämpfen und dadurch die langfristigen Perspektiven des Patienten zu verbessern. Ganz allgemein kommen im Rahmen der adjuvanten Therapien z.B. Chemotherapie, Hormontherapie, Strahlentherapie und neuerdings auch Target-Therapien zur Anwendung.

Adjuvanz bei GIST bedeutet konkret: Die Wirkung einer Therapie zusätzlich unterstützend. Hierbei handelt es sich um eine Art „vorsorgliche Therapie“ – nach kompletter Tumorentfernung als Vorbeugung (Prophylaxe) vor einem möglichen Rezidiv. Eine adjuvante Behandlung mit Imatinib ist am ehesten bei Patienten mit signifikanten – also hohem oder mittlerem Risiko angezeigt, bei denen das Rückfallrisiko – trotz erfolgreicher Operation – besonders hoch ist. Die adjuvante Imatinib-Therapie zielt darauf ab, möglicherweise vorhandene, noch nicht sichtbare Metastasen zu behandeln und somit die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs zu senken. Mehr zur Risikoklassifizierung finden Sie hier: Risikoklassifizierung.

ASCO 2011: Mehr Klarheit bei der Behandlungsdauer

Vom ASCO 2011 erwarteten GIST-Betroffene und medizinische Experten mit Spannung neueste Daten zur Behandlungsdauer mit Imatinib in der adjuvanten Therapie. Hierbei handelte es sich um die Daten der Skandinavisch-Deutschen Studie (SSG XVIII/AIO) – einer Phase III Studie zur adjuvanten Behandlung der GIST. Die Studie verglich das RFS = Recurrence Free Survival (das rückfallfreie Überleben) bei Hochrisiko-Patienten die 36 Monate Imatinib erhielten versus Patienten, die 12 Monate Imatinib bekamen. Von Anfang 2004 bis Herbst 2008 wurden 400 Patienten in diese Studie eingeschlossen; die Patienten erhielten in beiden Studienarmen 400mg/Tag Imatinib.

Die wesentlichen Ergebnisse: Die adjuvante Imatinib-Therapie über 36 Monate gegeben, verbessert das rezidivfreie Überleben und das Gesamtüberleben von Patienten mit hohem Rückfall-Risiko nach Operation – verglichen mit der Patientengruppe, die in der Studie Imatinib nur 12 Monate adjuvant erhielten. Danach war in der Studie das RFS = Recurrence Free Survival (das rückfallfreie Überleben) bei Hochrisiko-Patienten die Imatinib 36 Monate erhalten hatten deutlich besser, verglichen mit den Patienten in der 12 Monats-Gruppe. Das „5 Jahres RFS“ betrug hier 65,6% (36 Monate) zu 47,9% (12 Monate). Noch bedeutsamer waren die Ergebnisse zum OS = Overall Survival (dem Gesamtüberleben). Die Patienten der 36 Monats-Gruppe hatten eine höhere 5-Jahres Überlebenswahrscheinlichkeit (92,0 %) gegenüber der 12 Monats-Gruppe (81,7%).

Vereinfacht heißt dies: Das Risiko innerhalb von 5 Jahren nach Diagnose eines operablen Hochrisiko GIST zu versterben, wird durch die 36-monatige adjuvante Imatinib-Therapie gegenüber einer 12-monatigen Therapie tatsächlich halbiert.

Weitere Informationen zur adjuvanten Imatinib-Therapie im klinischen Alltag erhalten Sie hier: Adjuvante Imatinib-Therapie.

Im Gespräch

Login

German English French Italian Portuguese Russian Spanish Turkish