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NIERENKREBS

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Immuntherapie mit Interferon/Interleukin (unspezifische Immuntherapie)


Das Immunsystem kommuniziert über Hormone sogenannte Immunhormone - auch Zytokine genannt. Immunhormone werden von unserem Körper selbst produziert. Zytokine sind wie kleine Nachrichten der Zellen untereinander, auf denen steht, dass die Immunzellen zum Wachstum angeregt oder deren Aktivität gesteigert werden können.

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Zytokine sind kleine Eiweißmoleküle, die von weißen Blutzellen produziert werden, und als Signalproteine an der Immunantwort beteiligt sind. Zwei Vertreter dieser Zytokine sind Interferone und Interleukine.

 

Bis zur Zulassung der zielgerichteten Target-Therapien war die Standardbehandlung beim metastasierten Nierenzellkarzinom eine allgemeine (unspezifische) Immuntherapie: durch die Stimulation des Immunsystems sollte die Zerstörung des Tumors herbeigeführt werden. Eingesetzt wurden dabei eine Kombination aus Interferon-alpha, Interleukin-2 und gegebenenfalls einem Chemotherapeutikum (5-FU).

  • Interferon-alpha (Roferon A®) verhindert die Zellteilung und damit das Tumorwachstum.
  • Interleukin-2 (Proleukin®) dagegen fördert das Zellwachstum und die Ausbildung von Zellen, die Krankheitserreger angreifen (so genannte immunologische Effektorzellen).

Beide Wirkmechanismen scheinen sich zu ergänzen.

In der Zytokin-Therapie gibt es keine einheitliche Behandlung. Je nach Voraussetzung des Patienten, der Klinik und dem Land, in welchem behandelt wird, können die Dosierung und die Kombination mit anderen Medikamenten unterschiedlich sein.

Nach Behandlung mit dieser Art der Immuntherapie konnte in Einzelfällen eine langjährige krankheitsfreie Zeit beobachtet werden. Die Kehrseite der Medaille: Die Behandlung mit Immunhormonen ist überaus toxisch. Nur junge, körperlich wirklich fitte Menschen können die Therapie überhaupt erhalten. Auch dann geht es ihnen meist so schlecht, dass sie auf der Intensiv-Station im Krankenhaus behandelt werden müssen. 

Nach Zulassung der neuen zielgerichteten Therapien hinterfragten Experten jedoch den Stellenwert dieser Kombination, da:

  • nur klarzellige Nierenzellkarzinome für diese Behandlung geeignet waren,
  • nur 5-20% der Patienten überhaupt auf die Therapie ansprachen und
  • die Therapie mit sehr hohen Nebenwirkungen verbunden war.

In Deutschland kommt diese Art der Therapie nur noch sehr selten zum Einsatz, da nicht jeder Patient für diese Art der Immuntherapie geeignet ist. Im Ausland (z.B. USA, UK) wird sie immer noch stark ausgewählten Patienten als Erstlininentherapie angeboten. 

Interferone (IFN) – Wirkweise

Interferone gehören zur Gruppe der Zytokine. Es sind Eiweiße (Proteine), die von körpereigenen Zellen produziert werden und im Immunsystem eine Vermittlerfunktion übernehmen. Sie aktivieren die Abwehrzellen des Immunsystems wie Makrophagen, natürliche Killerzellen und zellzerstörende T-Lymphozyten.

Bei einer Behandlung mit Interferon-alpha wird zum einen die Vermehrung der bösartigen Tumorzellen gehemmt. Zum anderen werden körpereigene Killerzellen aktiviert, die die Tumorzellen bekämpfen.

Nebenwirkungen der Interferonbehandlung

Da der Körper Interferone zum Beispiel auch bei Grippe freisetzt, sind die häufigsten Nebenwirkungen grippeähnlich. So können zum Beispiel Fieber, Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit, Übelkeit/Erbrechen auftreten. Veränderungen der Haut, wie zum Beispiel Hauttrockenheit oder Herpes-Infektionen wurden ebenfalls beobachtet. Eine Verminderung weißer Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) ist möglich. Außerdem können Interferone das Nervensystem beeinflussen und psychische Veränderungen wie zum Beispiel Depressionen oder Verwirrtheit hervorrufen. Wie schwer ein Patient beeinträchtigt wird, hängt von der Dosis ab. Die Nebenwirkungen verschwinden nach Absetzen der Medikamente wieder.

Unsere Mitglieder haben Zugang zu unserer Datenbank "Tipps im Umgang mit Nebenwirkungen".

Interleukin 2 (IL-2) – Wirkweise

Auch Interleukine gehören zur Gruppe der Zytokine. Es sind Immunbotenstoffe, mit deren Hilfe die Abwehrreaktionen unter den Immunzellen gesteuert und reguliert werden. Sie aktivieren und fördern zudem die Reifung und Vermehrung von Zellen des Immunsystems. Um die verschiedenen Interleukine zu unterscheiden, wurden ihnen Nummern zugeteilt. Anfang der neunziger Jahre wurde die Behandlung mit Interleukin-2 als eine der ersten Immuntherapien gegen den Nierenzellkrebs in den USA zugelassen.

Interleukin-2 führt zu einer vermehrten Bildung von T-Zellen, die den Tumor angreifen können.

Nebenwirkungen der Interleukin-Behandlung

Die Therapie mit Interleukin-2 ist für Patienten mit zum Teil erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Die Behandlung mit Hochdosis Interleukin-2 erfolgt daher meist stationär im Krankenhaus und nicht ambulant.

Mögliche Nebenwirkungen sind zum Beispiel Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Hautrötung, Herzschlagbeschleunigung und Flüssigkeitseinlagerung mit Gewichtszunahme infolge einer Schädigung der Blutgefäßwände. Auch Autoimmunerkrankungen, bei denen sich die Immunabwehr gegen körpereigene Gewebe richtet, können verstärkt werden. Diese Nebenwirkungen bilden sich nach Beendigung der Behandlung wieder zurück.

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