lebh nier logo header lebh nier headerbild

NIERENKREBS

leistenbild-nier



Wirkweisen

Das Wissen um die Tumorentstehung (siehe hierzu Nierenkrebs verstehen) bildet den Ansatz für diese neuen Therapien. So wurde beispielsweise beim klarzelligen Nierenzellkarzinom in bis zu 80% der Fälle festgestellt, dass das von-Hippel-Lindau-Gen (VHL-Gen) inaktiviert ist. Das VHL-Gen zählt zu den so genannten „Tumorsuppressorgenen“, die sich regulierend auf die Zellbildung auswirken. Ist dieses Gen gestört, kommt es zu einer vermehrten Entwicklung von Wachstumsfaktoren der Zellen.

Wachstumsfaktoren spielen eine große Rolle, da sie auf zweierlei Art zu einer Beeinflussung des Tumors bzw. seiner Metastasierung führen:

  • Zum einen wirken sie in der Krebszelle selbst (Tumorwachstum, Tumorproliferation),
  • zum anderen bewirken sie, dass der Tumor Blutgefäße „anlocken“ kann, wodurch er die für sein Wachstumnotwendige Blutversorgung erreicht. Die Neubildung von Tumorblutgefäßen wird als Neoangiogenese bezeichnet.

Bindet ein Wachstumsfaktor an einer "Andockstelle" (Rezeptor) für Wachstumsfaktoren an der Zelloberfläche, wird dadurch ein Signal ausgelöst, das über eine lange Signalkaskade an den Zellkern weitergegeben wird und dort die Zellteilung bzw. unkontrollierte Vermehrung hervorruft. Dabei spielen bestimmte Eiweiße (Proteinklassen) eine besondere Rolle, die so genannten Tyrosinkinasen. Sie sorgen dafür, dass das aufgenommene Signal im Zellinneren weitergeleitet wird. Diese Kette von Signalen (Signalkaskade) ist notwendig, um verschiedene Gewebe im Organismus, wie z.B. Blutgefäße, Bindegewebe oder Nervengewebe, auszubilden.

Die neuen Therapien setzen genau hier an, um einzelne Signale gezielt zu blockieren und damit das Tumorwachstum zu hemmen. Dabei können diese „Hemmer“ an verschiedenen Stellen ansetzen - bei einer Unterbrechung des Ablaufs der Produktion von Wachstumsfaktoren bis zum Signal, das an den Zellkern gesendet wird. Dieses bezeichnet man als unterschiedliche Wirkmechanismen.

Folgende Ansätze werden bereits genutzt:

  • Die Wachstumsfaktoren werden gebunden, bevor sie die Rezeptoren erreichen und ein Wachstumssignal auslösen können. Dies ist der Ansatz, der mit Bevacizumab (Handelsname Avastin®), einem Antikörper gegen den Wachstumsfaktor VEGF, verfolgt und zusammen mit Interferon verabreicht wird.

  • Bindet ein Wachstumsfaktor an den entsprechenden Rezeptor an der Zelloberfläche, wird eine Kette von Signalen (Signalkaskade) im Inneren der Zelle in Gang gesetzt, die das Signal an den Zellkern weiterleitet. Diese Weiterleitung bzw. die Ingang-Setzung der Signalkaskade wird unterbunden, indem der Rezeptoranteil, der ins Zellinnere reicht (Tyrosinkinase), gehemmt wird. Die Signalkaskade kann nicht gestartet werden. Ein Ziel (Target) kann an unterschiedlichen Stellen angegriffen werden – daher haben manche Substanzen mehrere Wirkmechanismen: Auf diesem Prinzip basieren die Tyrosinkinase bzw. Multi-Kinase Inhibitoren (kurz TKIs) wie Axitnib (Handelsname Inlyta®), Pazopanib (Handelsname Vortrient®), Sorafenib (Handelsname Nexavar®) und Sunitinib (Handelsname Sutent®).

  • Die Signalkaskade innerhalb der Zelle wird an einer Stelle unterbrochen – das Signal gelangt nicht an den Zellkern und die Zellteilung kommt nicht zustande. Dieses Prinzip wird bei den so genannten mTOR-Inhibitoren genutzt. mTOR ist ein wichtiges Protein in der Signalkaskade innerhalb der Zelle. Die Signale, die über diesen Weg an den Zellkern weitergeleitet werden, können Entstehung und Fortschreiten eines Tumors fördern. Wird diese Signalübertragung durch Hemmung von mTOR unterbrochen, kann das Tumorwachstum unterbunden werden. So funktionieren Everolimus (Handelsname Afinitor®) und Temsirolimus (Handelsname Torisel®).

Im Gegensatz zur klassischen Chemotherapie erfolgt die Einnahme (als Tablette oder Infusion) kontinuierlich - das bedeutet: Wie bei einem Diabetiker die Insulineinnahme, erfolgt die Einnahme der Nierenkrebs-Mediakmente lebenslang begleitend.

Die Medikamente sollen das Fortschreiten von Nierenkrebs bremsen und die Lebenszeit der Erkrankten, bei möglichst hoher Lebensqualität, verlängern. Ein Medikament wird eingenommen, bis es zu einem erneuten Wachstum oder einem Neuauftreten von Metastasen  - dem so genannten Progres - kommt.
Wann welches Medikament zum Ensatz kommen könnte erfahren Sie unter dem Punkt: Medikamenteneinsatz.

Im Gespräch

Login

German English French Italian Portuguese Russian Spanish Turkish