lebh nier logo header lebh nier headerbild

NIERENKREBS

leistenbild-nier



Hirnmetastasen beim Nierenzellkarzinom

 

Die Behandlung von Hirnmetastasen hat Priorität: Das bedeutet, auch wenn noch der Primärtumor vorhanden ist oder sich Metastasen an anderer Stelle im Körper befinden, werden Hirnmetastasen in der Regel zuerst behandelt!

 

Symtome

Diese Metastasen äußern sich bei vielen der Betroffenen durch häufige Kopfschmerzen oder auch durch so genannte Hirndruckzeichen, in Form von Übelkeit und Erbrechen. Je nach Lokalisation der Metastase sind diese Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt oder können sogar ganz fehlen. Durch die Metastasen im Gehirn bzw. durch die sie umgebende Schwellung (Hirnödem) kann der Druck innerhalb des Schädels zunehmen – eine Situation, die behandelt werden muss, denn die Schwellungen drücken auf das gesunde Gehirn. Daher werden bei Hirnmetastasen oftmals Kortikosteroide (Kortison) gegeben, um den Hirndruck zu kontrollieren. Die Medikamente sorgen dafür, dass die Schwellung abnimmt und haben eine entzündungshemmende Wirkung.

Behandlung

Die Behandlung von Hirnmetastasen ist durch die Blut-Hirn-Schranke generell schwierig und wird beim Nierenzellkarzinom noch die Resistenz des Nierenzellkarzinoms gegen "normale" meistens niedrige Bestrahlungen verstärkt. Mehr über Hirnmetastasen und die Bluthirnschranke beim Krebsinformationsdienst

Jedoch haben sich die Therapieoptionen für Hirnmetastasen in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert. Dabei stehen auch hier Patienten mit bestimmten Voraussetzungen verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung – z.B. die Operation (neurochirugische Resektion), Strahlentherapie als stereotaktische Radiochirurgie oder eine Teilhirnbestrahlung. Bei mehreren Metastasen wird auch manchmal eine Bestrahlung des gesamten Gehirns vorgenommen (Whole Brain Radiation, WBR).

Operation

Voraussetzung für eine Operation ist, dass die Metastase an einer Stelle sitzt, an der sie operativ zugänglich ist. In den letzten beiden Jahrzehnten hat es deutliche Fortschritte in der exakten Planung einer Operation gegeben: Mittels der so genannten Neuronavigation kann die Lokalisation der Metastasen genau bestimmt und der Zugangsweg sicher geplant werden. Dabei kann das Risiko einer Schädigung des Gehirns durch den Eingriff deutlich gemindert werden. Bei der Neuronavigation dienen durch MRT oder CT gewonnene Daten zur räumlichen Darstellung des Gehirns und der festgestellten Metastasen.

Ob eine Operation der Hirnmetastasen in Frage kommt, hängt von einer Reihe bestimmter Faktoren ab. Dazu gehören beispielsweise:

  • Anzahl, Größe und Lage der Hirnmetastasen,
  • Bestehende Metastasierung in anderen Organen ‑ außerhalb des Gehirns
  • Zeitabstand zwischen Auftreten des Primärtumors und der Hirnmetastasen,
  • allgemeiner Gesundheitszustand des Patienten (Karnofsky-Score),
  • Alter des Patienten.

Strahlentherapie

Hat sich im Gehirn bereits eine Metastase gebildet, die vom Nierentumor gestreut hat, muss angenommen werden, dass sich möglicherweise noch weitere Tochtergeschwüre bilden können oder bereits vorhanden sind, um das auszuschließen werden dann meist weitere Untersuchungen veranlasst.

Bei mehreren oder auch bei nicht operablen Metastasen wird oft eine Bestrahlung des gesamten Gehirns (Whole Brain Radiation Therapy, WBRT) vorgeschlagen.

Unter der WBRT versteht man die Ganzhirnbestrahlung, ohne Bestrahlung des Gesichtsschädels. Der Patient wird in mehreren Einzelbestrahlungen bestrahlt und erhält nicht die Gesamtdosierung in einer Sitzung, dieses Vorgehen nennt man eine unterteilte / fraktionierte Bestrahlung. Ziel ist es, die Nebenwirkungen der Strahlentherapie so gering wie möglich zu halten.

Die Ganzhirnbestrahlung gilt normalerweise als Standard-Therapie bei Patienten mit mehreren Hirnmetastasen. Hier wird die Ganzhirnbestrahlung auch oft nach einer Operation vorsorglich (adjuvant) eingesetzt.

Oft erfolgt die Ganzhirnbestrahlung mit einer Strahlendosis von 30 Gy in 10 Fraktionen oder 20 Gy in 5 Fraktionen (Standard Protokoll) bestrahlt. Allerdings hat die WBRT begrenzte Wirksamkeit bei Patienten mit strahlen-resistenten Tumoren wie dem Nierenzellkarzinom. Daher wird in diversen Veröffentlichungen diskutiert, ob diese „Standard“ Ganzhirnbestrahlung einen Vorteil für Nierenkrebs-Patienten mit Hirnmetastasen bringt.
(Veröffentlichung: Jensen, Randy L. - Outcomes of Patients with BM from RCC after Primary SRS - Clinical Neurosurgery Volume 55, 2008)

Eine im Jahr 2010 veröffentlichte, retroperspektive Studie mit 60 Nierenkrebs-Patienten suggeriert, dass eine Bestrahlung mit höhreren Dosen (40 GY in 20 Fraktionierungen oder 45 GY in 15 Fraktionierungen) einen Vorteil für den Patienten haben könnte.
(Veröffentlichung: Rades D. et al. Do patients revceiving WBRT for BM from RCC benefit from escalation of the radiation dose? Int J Radiat Oncol. Biol Phys 2010;78: 398-403)

In einer im Jahr 2012 veröffentlichen kleineren Fallserie wurden auch Nierenkrebs-Patienten mit über ≥ 5 Hirnmetastasen mit Stereotaktischer Bestrahlung behandelt. 91 % der Patienten sprachen positiv auf mehrmalige Stereotaktische Bestrahlung an. Daher wird vorgeschlagen, dass eine Stereotaktische Bestrahlung auch bei mehreren Hirnmetastasen in Betracht gezogen werden sollte.
(Veröffentlichung: Mohammadi, Alireza Mohammad - J Clin Oncol 30, 2012 (suppl 5; abstr 410))

Medikamentöse Therapie

Obwohl die sogenannte Blut-Hirn-Schranke besteht, gibt es im Falle des Nierenzellkarzinoms verschiedene Berichte und Studien, die beschreiben, dass die beim Nierenzellkarzinom verwendeten Multityrosinkinaseinhibitoren als "small molecule" die Bluthirnschranke überwinden können.

In der Zulassungsstudie von Sunitinib (für Erstlinien-Therapie) waren auch Patienten mit sehr ungünstigem Risikoprofil, darunter 209 Patienten mit Hirnmetastasen, aufgenommen worden. Die Therapie mit Sunitinib führte bei zwölf Prozent der Patienten zu einer mindestens 30-prozentigen Rückbildung der Tumorgröße.
(Veröffentlichung: Journal Clinal Oncology 26, 2008, 273, Abstr. 5094)

 

Neues aus der Wissenschaft: Abstract: 2586 vom Europäischen Krebskongress

Abstract #2586
Gibt es einen bestimmten Zeitpunkt, an dem bei metastasierten Nierenkrebs-Patienten unter medikamentöser Therapie, Hirnmetastasen auftreten? Wenn ja, lässt sich daran ein System für routinemäßige Untersuchungen des Gehirns ableiten?

Zusammengefasst:
Leider lässt sich aus den Ergebnissen dieser australischen Studie keine Empfehlung ableiten, wann routinemäßige Untersuchungen des Gehirns sinnvoll sein könnten. In Australien wird dementsprechend keine regelmäßige Kontrolle des Gehirns durchgeführt werden.

Interessanterweise hat laut dieser Studie das Auftreten von Hirnmetastasen keinen wesentlichen Einfluss auf die Lebenserwartung von metastasierten Nierenzellkarzinom-Patienten unter Therapie. Hier weiterlesen: Abstract:2586
Hintergrund:

Nur 7-15% der metastasierten Nierenzellkarzinom-Patienten entwickeln Hirnmetastasen. Grundsätzlich ist es so, dass die, für das Nierenzellkarzinom zugelassenen, Medikamente die Lebenserwartung von metastasierten Patienten verlängert. Zusätzlich wird vermutet, dass diese Medikamente auch das Auftreten von Hirnmetastasen reduzieren können. Es ist noch ungeklärt, ob eine regelmäßige Untersuchung des Gehirns auf eine eventuelle Metastasierung einen Vorteil für diese Patienten bringt.

Ziel:
Ein australisches Forscherteam wollte herausfinden, ob es möglich wäre, eine Empfehlung für routinemäßige Untersuchungen des Gehirns auszusprechen, wenn bekannt wäre, wann Hirnmetastasen bei metastasierten Nierenzellkarzinom-Patienten vornehmlich auftreten.

Über diese Studie:
Für diese Studie wurden die Daten von 5 australischen Kliniken aus den Jahren 2005-2014 herangezogen. Von den Daten der 5 Kliniken konnten die von 2 Kliniken genauer ausgewertet werden.
Es wurden nur die Daten von metastasierten Nierenzellkarzinom-Patienten mit Hirnmetastasen analysiert, die mit einer zielgerichteten Therapie (TKI oder mTor Hemmer) behandelt wurden. Die Datenerfassung beinhaltete: den Zeitpunkt des Auftretens von Hirnmetastasen, ggf. deren Pathologie und die Behandlung. Gleichzeitig wurde eine Befragung der behandelnden Ärzte durchgeführt, ob und welche Untersuchungen des Gehirns veranlasst wurden.

Ergebnis:
Die Daten von 51 Patienten konnten bzgl. des Zeitpunkts des Auftretens der Hirnmetastasen genauer ausgewertet werden.
Die Analyse zeigte, dass:

  • 25% der Patienten bereits Hirnmetastasen hatten, als der Primärtumor entdeckt wurde.
  • 27% der Patienten entwickelten Hirnmetastasen in dem Zeitraum zwischen der Operation des Tumors und dem Beginn einer medikamentösen Therapie.
  • 47% der Patienten (24/51) entwickelten Hirnmetastasen während einer Therapie. Bei 17 von diesen 24 Patienten (ca. 70%) traten die Hirnmetastasen während der Erstlinien-Therapie auf.

Schlussfolgerung:
Leider können die Ergebnisse dieser australischen Studie nicht für eine Empfehlung genutzt werden, wann routinemäßige Untersuchungen des Gehirns sinnvoll sein könnten. In Australien wird dementsprechend keine regelmäßige Kontrolle des Gehirns durchgeführt werden.
Interessanterweise hat laut der Studie das Auftreten von Hirnmetastasen keinen wesentlichen Einfluss auf die Lebenserwartung von metastasierten Nierenzellkarzinom-Patienten unter Therapie.

Hinweis vom Lebenshaus zu dieser Studie:
Wie schon beschrieben, treten Hirnmetastasen selten auf. Kleine Metastasen (bis zu 3cm) sind meist gut behandelbar. Daher kann es vorteilhaft sein, wenn Hirnmetastasen rechtzeitig entdeckt und behandelt werden. Auch in den deutschen S3-Leitlinien ist eine regelmäßige Untersuchung (mit z.B. MRT/CT) des Gehirns nicht vorgesehen. Sollten bei Patienten mit einem metastasierten Nierenzellkarzinom neurologische Symptome auftreten, die nicht als Nebenwirkung einer laufenden medikamentösen Therapie einzuordnen sind, sollte vorsorglich ein Neurologe zu Rate gezogen werden, der ggf. eine bildgebende Untersuchung (MRT/CT) veranlassen kann.

Neurologische Symptome sind z.B. langanhaltende Kopfschmerzen, häufiger Schwindel, unkontrollierbares Erbrechen, Wortfindungsstörungen, Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle und Gleichgewichtsstörungen.

Im Gespräch

Login

German English French Italian Portuguese Russian Spanish Turkish